Initiative Behandlungstrauma

Psychische Folgen von Behandlungsfehlern und Traumatisierung im medizinischen Kontext

Bericht Stefanie

Als ich schwanger war, haben wir uns riesig auf unser Kind gefreut. Doch die Geburt war schrecklich – ich habe fast nicht überlebt. Danach lag ich lange auf der Intensivstation und konnte meine Tochter nicht sehen. Mein Mann war mit allem überfordert: Er musste sich allein um das Baby kümmern, während es mir so schlecht ging.

Als es mir etwas besser ging, hatte ich keine Gefühle für meine Tochter. Eine Stationsschwester, die Nonne war, hat mich jeden Tag angeschrien: „Reiß dich zusammen! Dein Mann braucht dich, und du musst dich endlich um dein Kind kümmern.“ Aber niemand hat mir erklärt, was bei der Geburt passiert ist.

Jahre später hatte ich immer noch ein schlechtes Verhältnis zu meiner Tochter. Ich konnte nicht mal sagen, warum. Außerdem hatte ich panische Angst vor Krankenhäusern – ich konnte nicht mal jemanden besuchen.

Als unsere Tochter 11 war, sind wir in eine andere Stadt gezogen. Deshalb musste ich den Frauenarzt wechseln. Der neue Arzt wollte mich ins Krankenhaus schicken zur Operation, aber ich habe nein gesagt. Er hat gefragt, warum. Ert wollte ich nichts sagen. Aber er hat sich Zeit genommen, mit mir zu reden. Nach 11 Jahren habe ich zum ersten Mal über die Geburt gesprochen – ich habe mehr geweint als geredet.

Er hat mich Dinge gefragt, die mich vorher nie jemand gefragt hat. Zum ersten Mal hat sich jemand wirklich dafür interessiert, wie es mir damals ging. Bei ihm konnte ich eine Therapie machen, die mir sehr geholfen hat. Danach wurde auch das Verhältnis zu meiner Tochter besser – trotz Pubertät.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert